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Können Kleidungsstücke recycelt werden? Vom Abfall zum tragbaren Kleidungsstück

Können Kleidungsstücke recycelt werden? Vom Abfall zum tragbaren Kleidungsstück

Kreislaufwirtschaft, Textilrecycling
Können Kleidungsstücke recycelt werden? Vom Abfall zum tragbaren Kleidungsstück

Im Jahr 2023 wurden weltweit 183,8 Milliarden Kleidungsstücke verbraucht. Leider werden nur 1 % der recycelten Textilien zu neuen Kleidungsstücken verarbeitet. Dies wirft die Frage auf, wie Kleidung heute recycelt wird und wie wir den Rückgewinnungsprozess verbessern können. Ja, Recycling ist dringend nötig, und es gibt zwei Hauptwege:

Wiederverwendung. Dabei werden Kleidungsstücke in ihrer ursprünglichen Form weiterverwendet, etwa durch Second-Hand-Verkauf, Spende oder kreative Umgestaltung – wie Upcycling oder DIY („Do it yourself“).
Materialrecycling. Wenn eine Wiederverwendung nicht möglich ist, werden die Kleidungsstücke in ihre Fasern zerlegt, um neue Textilien oder Materialien für andere Branchen wie Automobil- oder Bauindustrie herzustellen. Hierfür müssen die Stoffe richtig sortiert werden, um Abfall zu minimieren.

Denn allein in der Europäischen Union fallen jährlich 12,6 Mio. t Textilabfälle an, davon 5,2 Mio. t aus ausrangierter Kleidung und Schuhen – das entspricht 12 kg pro Person und Jahr. Angesichts dieser Zahlen ist es unerlässlich, alte Kleidung zu recyceln und ihr ein zweites Leben zu geben, um die Umweltbelastung der Textilindustrie zu verringern und die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Zuvor sollten wir jedoch hinterfragen, ob wir wirklich so viele Kleidungsstücke im Schrank anhäufen müssen. Wusstest du, dass eine Verlängerung der aktiven Nutzungsdauer von Kleidungsstücken um nur neun Monate die CO₂-, Wasser- und Abfallfußabdrücke um 20–30 % senken würde?

Doch was können wir tun, bevor unsere Kleidung unkontrolliert auf Deponien landet oder – noch schlimmer – in bereits überfüllte Müllhalden in Afrika verschifft wird? Hören wir auf, die Natur und andere Menschen auf der Erde zu gefährden, denn glücklicherweise ist das Recycling alter Kleidung möglich.

Alternativen im Überblick

Second-Hand-Verkauf: Hosen, Röcke, T-Shirts, Blusen, Schuhe etc. auf dem Gebrauchtmarkt anbieten.

Spende: Kleidung an gemeinnützige Organisationen abgeben, die sie an Bedürftige verteilen. Viele NGOs betreiben eigene Shops, schaffen Arbeitsplätze für sozial Benachteiligte und investieren Verkaufserlöse in soziale Hilfsprogramme. Nicht verkaufte Ware wird oft in Entwicklungsländer exportiert – doch bei schlechter Qualität landet auch dort ein Teil auf Deponien. Der Einstieg von NGOs ins Recycling ist bislang noch eher gering.

Welche Textilien lassen sich besonders gut recyceln?
Textilrecycling umfasst das Sammeln von Altkleidern und anderen Textilien und ihre Umwandlung in neue Fasern oder Produkte. Besonders gut recycelbar sind reine Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Wolle. In gutem Zustand können sie zu hochwertigen Neufasern verarbeitet werden. Ist die Qualität nicht mehr ausreichend, eignen sie sich für Downcycling – etwa als Putztücher, Matten, Teppiche oder Autositzbezüge.

Das Hauptproblem sind Mischgewebe, insbesondere solche mit Polyester. Polyester ist mit einem Anteil von 54 % an der globalen Faserproduktion die weltweit am meisten hergestellte Faser (Textile Exchange).

Der Textilrecycling-Prozess
Um Abfälle auf Deponien und in Verbrennungsanlagen erheblich zu reduzieren, ist Textilrecycling entscheidend. Der Prozess gliedert sich in mehrere Schritte:

Sammeln und Sortieren: Altkleidercontainer – immer häufiger in unseren Gemeinden zu finden – nehmen Kleidung, Haushaltstextilien, Schuhe, Taschen, Gürtel und andere Accessoires an. Auch alte und abgetragene Stücke können recycelt werden.

Zerlegung und Wiederaufbereitung: Wenn Kleidungsstücke nicht wiederverwendet werden können, müssen ihre Fasern aufbereitet werden:

Mechanische Aufbereitung: Hierbei werden Stoffe zerkleinert, die Fasern bleiben jedoch weitgehend intakt. Insbesondere Baumwolle eignet sich gut dafür. Nach Sortierung nach Material und Farbe folgen Zerkleinern, Waschen und Fasertrennung. Beim Kardieren werden die Fasern ausgerichtet und für das Verspinnen zu neuen Garnen vorbereitet. Meist werden Baumwollfasern mit Trägerfasern (z. B. Polyester) gemischt, um die Garnqualität zu verbessern. Anschließend werden die neuen Garne zu Textilien verarbeitet.

Chemisches Recycling: Synthetische Fasern wie PET werden durch Depolymerisation in Monomere zerlegt, gereinigt und als Rohstoff für neue Industrien verwendet. So wird aus synthetischem Textilabfall ein wertvoller Sekundärrohstoff.

Für eine effiziente Sortierung setzen Recycling-Unternehmen zunehmend automatisierte Systeme ein. PICVISA etwa bietet ein Doppel-Förderbandsystem, das bis zu 2 t Kleidung pro Stunde in über 70 Kategorien nach Material und Farbe sortieren kann. Solche Technologien steigern die Effizienz und Genauigkeit und bringen die Textilbranche der Kreislaufwirtschaft näher.

Auch wenn die Faserqualität bei jedem Recycling-Durchgang abnimmt und damit die Wiederverarbeitung begrenzt ist, ist es dennoch möglich, alte Kleidung in neue Textilien zu verwandeln.

Alternative Recycling-Ansätze
Aus ausgedienten Kleidungsstücken können personalisierte, oft künstlerisch wertvolle Unikate entstehen – vor allem, wenn renommierte Designer ihre Handschrift hinzufügen. Upcycling-Unternehmen wie Après Ski fertigen Kleidung aus Bettlaken, Tischdecken, Stoffresten und sogar Servietten, die in Antiquitäten- und Flohmärkten eingekauft werden. Die DIY-Philosophie („Do it yourself“) ermutigt, T-Shirts zu Taschen oder Socken zu Portemonnaies mit Reißverschluss umzugestalten.

Glücklicherweise ist ein Wandel hin zu nachhaltigeren Konsumgewohnheiten erkennbar: Das Wegwerfmodell verliert an Bedeutung, der Second-Hand-Kauf über Plattformen wie Vinted und Wallapop sowie in physischen Läden nimmt zu. Gleichzeitig steigt das Interesse an Kleidung aus Bio-, Recycling- oder biologisch abbaubaren Materialien wie Bio-Baumwolle, Leinen, Hanf und Tencel.

Auch die Spendenbereitschaft wächst: Neben den altbekannten Sammelcontainern engagieren sich viele Organisationen wie Caritas (Spanien), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Salvation Army (USA) oder Fratelli Esposito (Italien), um Textilien dem Müll zu entziehen und ein zirkuläres Textilsystem zu fördern.

Innovationen im Textilrecycling
Führende katalanische Modemarken investieren in nachhaltige Design-Methoden und haben sich dem Retexcat-Projekt angeschlossen. Im Rahmen des Pakts für Kreislauffashion in Katalonien kooperieren rund ein Dutzend Industriepartner, darunter PICVISA, um die gesamte textile Wertschöpfungskette umweltfreundlicher zu gestalten.

Ein Meilenstein im Chemie-Recycling ist die australische Firma BlockTexx, die 2022 die erste kommerzielle Anlage zur Aufarbeitung von Polyester-Baumwoll-Mischgeweben in Betrieb nahm. Dort wird ein Gemisch aus Polyester und Baumwolle getrennt und zu hochwertigem Polyethylenterephthalat sowie mikrokrystalliner Cellulose aufbereitet – beides Rohstoffe für neue Produkte. Die gesamte Prozesskette wird dabei per Blockchain nachvollziehbar dokumentiert.

Für solche Innovationen ist kontinuierliche F&E essentiell. Und was können wir als Verbraucher tun? Initiativen unterstützen, die gegen die Erschöpfung natürlicher Ressourcen kämpfen, wie das Bohren nach Erdöl zur Polyesterproduktion. Impulskäufe und Hyperkonsum vermeiden, Kleidung bewusst auswählen – idealerweise aus Naturfasern wie Baumwolle – und Kleidungsstücke möglichst lange tragen.

Fazit
Die richtige Handhabung und das Recycling alter Kleidung sind der Schlüssel zu verantwortungsbewusstem Konsum. Altkleiderrecycling ist eine der effektivsten Methoden, Abfall zu reduzieren, unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern und zu einem nachhaltigeren Lebensstil beizutragen. Mach mit – Schritt für Schritt kommen wir unserem Ziel näher!

Infos

  • Carr. de Manresa, 50-60, 08280 Calaf, Barcelona, Spain
  • PICVISA