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#Leute

Zum 50. Todestag von Georg Neumann: Die Ära von Berlin und Gefell und das Geheimnis der M 7-Kapsel

Ein Beitrag von Microtech Gefell zum Gedenken an den 50. Todestag des Mikrofonpioniers am 30. August 2076

Am 30. August 1976 verstarb in Berlin einer der bedeutendsten Erfinder der Elektroakustik: Georg Neumann.

Georg Neumann (* 13. Oktober 1898 in Chorin) revolutionierte als Physiker und Unternehmer die Akustik. Bis heute zählt er zu den bedeutendsten Pioniergestalten der Mikrofon- und Tontechnik.

Fünf Jahrzehnte später ist sein Name weltweit das unangefochtene Siegel für klangliche Perfektion. Wer die DNA des modernen Studioklangs verstehen will, muss den Blick auf Neumanns entscheidende Schaffensphasen lenken: die technologischen Pionierjahre im Berlin der Vorkriegszeit und den kriegsbedingten, unternehmerischen Neuanfang im thüringischen Gefell. Im Zentrum dieses Lebenswerks steht eine bis heute legendäre Innovation – die M 7-Kapsel.

Der Berliner Aufbruch und die Geburtsstunde der „Flasche“

Als Georg Neumann im Jahr 1928 gemeinsam mit Erich Rickmann in Berlin die offene Handelsgesellschaft OHG Georg Neumann & Co. gründete, steckte die professionelle Tonaufzeichnung noch in den Kinderschuhen. Neumann, der zuvor bei Eugen Reisz das berühmte Kohlemikrofon („Reisz-Mikrofon“) mitentwickelt hatte, erkannte früh die physikalischen Grenzen dieser Technik.

Seine Vision war ein Mikrofon, das frei von Eigenrauschen und Verzerrungen das gesamte Frequenzspektrum abbilden konnte.
Das Ergebnis war das CMV 3, das erste serienreife Kondensatormikrofon der Welt. Aufgrund seiner markanten Form als „Neumann-Flasche“ weltbekannt, revolutionierte es ab 1928 den jungen Rundfunk, die frühe Tonfilmproduktion und die Schallplattenaufzeichnung.

Neumann baute parallel dazu hochentwickelte Schallplatten-Schneidemaschinen und legte in Berlin das Fundament für eine industrielle Fertigung auf absolutem Spitzenniveau.

Die M 7: Das Herzstück des legendären Klangs

Der endgültige technologische Meilenstein der Berliner Jahre folgte im Jahr 1932 mit der Entwicklung der M 7-Kapsel. Sie war die erste in Serie gefertigte Großmembran-Kondensatorkapsel mit einer Doppelmembran nach dem Druckgradientenempfänger-Prinzip.
Das Besondere an der M 7 war ihre Konstruktion, die eine präzise Nierencharakteristik ermöglichte:
• Das Material: Neumann verwendete als Trägermaterial eine hauchdünne Folie aus PVC (Polyvinylchlorid), die im sogenannten Gießverfahren hergestellt wurde.
• Die Bedampfung: Diese Kunststofffolie wurde in aufwendiger Handarbeit mit einer feinen Goldschicht bedampft, um sie elektrisch leitfähig zu machen.
• Die Lochplatte: Die Membran wurde auf eine präzise gebohrte Messing-Gegenelektrode aufgebracht. Die akustischen Laufzeitketten im Inneren der Kapsel sorgten dafür, dass Schall von hinten ausgelöscht und Schall von vorne optimal erfasst wurde.
Die M 7 verlieh Mikrofonen eine bis dahin ungekannte Präsenz in den Mitten und eine seidige Wärme in den Höhen. Ihre akustische Feuertaufe im globalen Maßstab erlebte die Kapsel bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, wo sie das akustische Fundament für die weltweite Berichterstattung bildete. Sie wurde später auch das Herzstück des weltberühmten Nachkriegs-Mikrofons U 47.

Die Zäsur von 1943: Der Neuanfang in Gefell

Das Jahr 1943 brachte eine dramatische Wende. Durch die heftigen alliierten Bombenangriffe auf Berlin wurde das dortige Stammhaus in der Michaelkirchstraße zerstört.

Um die Produktion für den Rundfunk aufrechtzuerhalten und die Belegschaft zu schützen, evakuierte Georg Neumann seinen Betrieb im selben Jahr in das thüringische Gefell im Vogtland.
In einer ehemaligen Textilfabrik im ländlichen Gefell wurde unter einfachsten und extrem schwierigen Bedingungen eine neue Fertigung aufgebaut. Neumann bewies hier außergewöhnliches unternehmerisches Geschick und führte sein Team durch die letzten Kriegsmonate.

Gefell wurde jedoch kein flüchtiges Provisorium, sondern eine feste Bastion der Mikrofontechnik. Da die Herstellung der empfindlichen PVC-Membranen für die M 7-Kapsel extrem klimastabil und erschütterungsfrei erfolgen musste, erwies sich der neue Standort als ideal.

Die Handwerkskunst der Kapselfertigung wurde in Gefell perfektioniert und über Generationen weitergegeben. Selbst als das Werk infolge der späteren deutschen Teilung vom Berliner Stammhaus abgeschnitten wurde, blieb die M 7 das technologische Rückgrat der dortigen Produktion (unter dem Namen Mikrofontechnik Gefell / MTG).

Ein unvergängliches Erbe

Wenn wir heute, 50 Jahre nach seinem Tod, auf Georg Neumann blicken, sehen wir einen Mann, dessen Pioniergeist die Audiowelt für immer verändert hat.

Seine im Berlin der Vorkriegszeit erdachte M 7-Kapsel und die in Gefell gerettete Fertigungstradition – die Georg Neumann bis zum Bau der Berliner Mauer begleitete - sind keine historischen Relikte – das Prinzip der M 7 wird von Toningenieuren und Musikern bis heute für ihren unnachahmlichen, charakterstarken Klang geschätzt.

Georg Neumann hat der Welt nicht nur Mikrofone hinterlassen, sondern den Maßstab dafür gesetzt, wie die menschliche Stimme für die Ewigkeit festgehalten wird.


Georg Neumann - Ein unvergängliches Erbe

Infos

  • Georg-Neumann-Platz, 07926 Gefell, Germany
  • Microtech Gefell GmbH